Die Schulsozialarbeit ist eine neutrale Stelle an der Schule Kerns. Sie unterstützt Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen, deren Eltern und Lehrpersonen bei Fragen rund um den schulischen Alltag wie auch bei familiären und persönlichen Problemen. Ziel ist, Probleme frühzeitig zu erkennen und gezielt anzugehen und so das Wohlbefinden aller Beteiligten zu steigern. Mehr lesen


Erlebnispädagogik im Rahmen der Schulsozialarbeit


Im Rahmen der Prävention arbeitet eine Fachperson für Erlebnispädagogik mit den Kindern, Jugendlichen und Lehrpersonen zusammen.
Die Ziele der Erlebnispädagogik sind die Entwicklung der Persönlichkeit und der sozialen Kompetenzen. Es werden Situationen im Freien geschafft die dadurch gekennzeichnet sind, dass die Schülerinnen und Schüler mit sich und der Gruppe intensive Erlebnisse erfahren. Zwischenmenschliche Werte wie Vertrautheit, intensive Zusammenarbeit und Kreativität werden in Lernräumen ausserhalb der Schule als Notwendigkeit erlebt. Zielarbeit und eine wertschätzende Feedbackkultur bieten eine nachhaltige Basis für den Transfer in den Schulalltag.

Erlebnispädagogik als Möglichkeit zur Gewaltprävention

Eine mächtige Flamme entsteht aus einem winzigen Funken

(Dante Alighieri)

front-05Systemische Erlebnispädagogik ist Lernen in verschiedenen Naturräumen. Anhand bewusst gewählter Mittel, Methoden und Settings sollen Kinder und Jugendliche in ihrer Selbst- und Sozialkompetenz gestärkt und gefördert werden. Das wachsame Unterwegssein in und mit der Natur löst persönliche und gruppendynamische Prozesse aus– winzige Funken entstehen. Gemachte Erfahrungen und gesammelte Erlebnisse sind Potenzial für individuelle und gruppenspezifische Zielarbeit. Mit einem wertschätzenden Transfer in den Schulalltag, kann ein erlebnispädagogisches Setting über Aneignen von wesentlichen Schlüsselkompetenzen zu nachhaltigen Veränderungen im Denken und Handeln führen– mächtige Flammen leuchten. Warum erlebnispädagogisches Arbeiten im Rahmen der präventiven und interventiven Schulsozialarbeit als wertvolle Ressource betrachtet werden kann, sollen im Folgenden kurze Beispiele aufzeigen.           
Claudia Arnold,dipl. Erlebnispädagogin NDS HF


ofenWir sind Feuer und Flamme...
Die Kinder der dritten Klasse lassen in den ersten Schulwochen nach den Sommerferien die ersten Funken springen. Während dem jedes Kind nach und nach mit dem Hölzchen über die Zündholzschachtel streicht, vollendet es folgenden Satz: Von meiner Klasse und meinen Mitschülern sowie Mitschülerinnen bin ich begeistert, wenn ...
Mit der Zeit lodert dank so viel Begeisterung ein kräftiges Feuer. Nun, was tragen wir bei, damit dieses Feuer metaphorisch betrachtet auch im Schulalltag weiterbrennen kann? Ein Feuer spendet Licht und Wärme. Wir können darüber Nahrhaftes brutzeln, doch dafür muss es umsorgt und gehütet werden. Diese bildhafte Erkenntnis unterstützt die Buben und Mädchen, ebenso im Schulzimmer am gemeinsamen Klassenfeuer zu arbeiten. Hüten wir es mit Freude und Respekt, werden wir von dessen Kraft belohnt.

schulprojekte-fruehlingWir bauen mehr als ein Dach über dem Kopf...
Stolz erreichen die Mädchen und Knaben aus einer fünften Klasse mit ihren grossen Rucksäcken den Waldabschnitt für ihr Nachtlager. Ein längerer Marsch forderte einige Kräfte. Dankend wurde Hilfe von sportlichen Mitschülern und Mitschülerinnen angenommen. Lara freute sich riesig, als Roger ihr ohne Bitte den schweren Rucksack abnahm. Im Schulzimmer war er nämlich oft sehr unfreundlich zu ihr. Ein regnerischer Abend steht bevor und mit Planen und Reepschnüren sollen nun Gruppencamps errichtet werden. Auf einmal kommen verborgene Ressourcen zum Vorschein. Viele staunen, dass der scheue Marco so viele Knoten kennt. Die sonst eher bequeme Adriana packt mit beiden Händen an und bringt konstruktive Ideen ein. Nach einigen Diskussionen und Änderungen haben die jungen Menschen ein regensicheres Camp erstellt.Bei einer Feedbackrunde am Feuer funkeln Marcos Augen in der dunkeln Abendstimmung. Viele seiner Mitschüler und Mitschülerinnen bedanken sich bei ihm für die tolle Knotenschulung. Adriana freut sich über Komplimente, welche sie für ihren Einsatz erhält und Roger findet es cool, dass Lara sich bei ihm für seine Hilfe bedankt. Die stärkenden Worte begleiten die Kinder in eine kühle Nacht. Die müden und zufriedenen Gesichter, eine angenehme Stimmung und die fröhlichen Gespräche am wärmenden Morgenfeuer verraten, dass das gemeinsame Erlebnis die Klasse etwas näher zusammengebracht hat und wie ein schützendes Dach wirkt.

philosophieWir backen Brote fürs Leben...
Geduld, Ausdauer und Durchhaltewillen sind Kompetenzen, die im Leben und im Zusammenleben immer wieder gefragt sind. Nino, Kevin und Katharina werden ziemlich gefordert. Ihr Steinofen fällt bereits zum dritten Mal in sich zusammen. Willkürlich und ohne gemeinsame Absprache legten die Jugendlichennach und nach Steine aufeinander.In einer kleinen Krisensitzung kommen sie zum Schluss, dass nur mit Zusammenarbeit und Zusammenhalt Erfolg erzielt werden kann. Gemeinsam packen sie an und sprechen sich ab. Die Freude ist gross, als der Steinofen auch dem Druck des letzten Steines standhält. Damit der Brotteig schön gedeihen kann, braucht es nebst Mehl, Wasser, Salz und Hefe auch noch die nötige Hitze. Diese in einem selbstgebauten Steinofen zu erzeugen, erfordert Geschicklichkeit, Durchhaltewillen und eine Menge trockener Holzstecken. Die Ausdauer beim Bauen und Holzsammeln, das Feingeschick beim Feuern und das geduldige Warten während des Backens zahlen sich aus. Die Jugendlichen zaubern ein goldbraunes Brot aus ihrem Steinofen. Der etwas schwarz gewordene Boden des Brotlaibs kümmert niemanden, denn das gemeinsame Erlebnis triumphiert. Währenddem die Jugendlichen am Abend zu einem Raclette genüsslich an ihrem selbstgebackenen Brot kauen, sind sie eingeladen, sich Gedanken zu folgenden Fragen zu machen: Welche Zutaten brauche ich, um im Leben gut gedeihen zu können? Welche Kompetenzen haben dich heute zum Erfolg gebracht? Was nimmst du vom heutigen Tag für dein bevorstehendes Berufsleben mit?

Einen ausführlichen Artikel zum Thema Erlebnispädagogisches Arbeiten mit Schulklassen finden Sie in einem Artikel der neuen Schulpraxis vom Juni 2013.